9×9

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Das "9x9" (ft) Command Post Tent wurde Ende der 1960er Jahre bei den Britischen Streitkräften eingeführt. Es diente ursprünglich als Aufenthalts- und Führungszelt für Offiziere. Die Besonderheit ist eine Öffnung in der Rückwand, in die man rückwertig Fahrzeuge, vorzugsweise militärische Land Rover, einstellen kann. So wird der Heckraum des Fahrzeugs mit dem Zelt verbunden. Eine ca. 20 bis 30 cm lange Überlappung sorgt für eine Wind- und Regendichte Abdeckung. Diese Kombination aus Zelt und Auto bietet sich insbesondere bei Fahrzeugen mit Funkausrüstung (FFR) an. Die Bezeichnung "9x9" bezieht sich auf die Grundfläche des Zelts gemessen in Fuß(ft).

Das Zelt ist eine selbsttragende Konstruktion aus einem Aluminium-Gestänge mit vier Stützstangen und einem Tragrahmen für das Dach. Es kann von zwei Personen in weniger als 10 Minuten aufgestellt werden. Zum Umfang der Zeltausrüstung gehören neben dem Gestänge, ein Sortiment Heringe, Abspannseile, Transportsäcke für Gestänge und Zelthaut sowie ein Zelthammer.

Die ersten Versionen, damals noch in den Abmessungen "13x9" (ft) wurden in einer schweren Baumwollqualität (Canvas) hergestellt. Später als "9x9" (ft) wurde das Material auf Ripp-Stop Baumwoll-Mischgewebe umgestellt. Am Zeltsaum befindet sich ein ca. 30 bis 40 cm langer "Faulstreifen" aus Kunststoff, der das Zelt vor Schmutz und Nässe schützt, aber auch zum Beschweren mit Sandsäcken oder Wasserkanistern dienen kann, wenn z.B. keine Befestigung mit Abspannleinen möglich ist. Das Material ist mit einem "FWR"-System imprägniert (Flame retardant, Water repellent, Rot proof).

In beiden Seitenwänden befindet sich je ein Fenster mit Abdeckklappe und Fliegengitter. Die Frontseite lässt sich über zwei Flügel komplett öffnen, während die Rückseite ohne Fahrzeuganbindung mit einem beidseitigem Schlaufensystem zu verschließen ist. Das Zelt ist selbststehend, d.h. es kann auch auf festem Untergrund ohne Abspannung und Heringe aufgestellt werden.

Hersteller war die Firma John Edgington & Co Ltd. in den späten 1960er Jahren. Aus diesem Unternehmen entstanden die Firma Black & Edgington Ltd. sowie als Export-Vertriebsunternehmen die Firma Benjamin Edgington Ltd. Später folgte der Zusammenschluß mit "The Norce Face (Scotland) Ltd." zum, nach eigenen Angaben, größten Zelthersteller im Vereinigten Königreich. Edgington stellte später noch ein weiteres Zelt mit den Abmessungen "10x11'9 ft" her, das aber bei den Britischen Streitkräften nicht in nennenswerten Stückzahlen in Dienst gestellt wurde und wohl hauptsächlich nur im Exportbereich zur Vermarktung kam. Äußerlich unterscheidet sich das größere Zelt durch jeweils zwei Fenster in den Seitenplanen.

Als besonderes Zubehör sind sogenannte "Liner" erhältlich. Dabei handelt es sich um ein weißes Innenzelt aus leichter Baumwolle. Es dient der Thermoisolation, in dem sich zwischen der Außenhaut und dem Innenzelt die Luftschicht erwärmt, ähnlich dem Prinzip bei modernen Treckingzelten mit Innen- und Außenzelt. Optional gibt es das "Groundsheet", eine Bodenplane aus PVC-Material.

Bei den Nachbauzelten und auch bei wenigen Originalen wurden Exemplare mit "stove pipe opening", einer Klappe im Dach für das Ofenrohr einer Zeltheizung gesehen. Ob die Originalzelte damit ausgeliefert oder erst nachgerüstet wurden, ist nicht bekannt.

Die richtige dienstliche Bezeichnung lautete übrigens:

Variante MK1:

Shelter, Command Post and Gerneral Purpose 9ft x 9ft (2.7m x 2.7m) J1 8340-99-120-6653

Variante MK 2 (ab ca. 1972):

Shelter, Command Post and General Purpose 9ft x 9ft (2.7m x 2.7m) MK2 J1 8340-99-135-1424

Beide Varianten unterscheiden sich im Detail nur im Gestänge. Während das MK 1 mit einer Dachkonstruktion von drei Querstreben und Viefach-Verbindungsstücken ausgestattet wurde, gibt es beim MK 2 nur im jeweiligen Giebel Querstreben. Dadurch wurde das MK 2 ca. 3,6kg leichter. Möglicherweise gab es beim MK 1 auch Versionen mit Reißverschlüssen, die zugunsten eines einfacheren, aber durchaus haltbareren Schnürverschluß ersetzt wurden.

Änderungen gab es auch bei den Stützfüßen. Erste Versionen verfügten über Spitzen mit Tellern, später gab es nur noch flache Platten als Füße, vermutlich um einen Zeltboden nicht zu durchlöchern.

Abmessungen des Originalzelts:

Länge 2,74m (9ft)

Breite 2,74m (9ft)

Höhe Mitte 2,39m (7.10ft)

Höhe Seite 1,82m (6ft)


Neben dem Originalzelt der Britischen Streitkräfte gibt es einen oder mehrere billige Nachbauten aus Indien, Pakistan und anderen asiatischen Ländern. Da die Anbieter für ihre Produktpräsentation im Internet das gleiche Foto verwenden, ist nicht ganz klar, ob es einen oder mehrere Hersteller gibt. Die Nachbauten haben nahezu identische Abmessungen, sind allerdings nicht aus Ripp-Stop Mischgewebe gefertigt, sondern aus schwerer Baumwolle (Canvas) und verfügen über ein einfaches Stahlrohr-Gestänge. Die Fenster sind ohne Fliegengitter ausgestattet. Bei der Auswahl der Materialien für Zeltschnüre, Befestigungsschlaufen, Nieten, Ösen etc. sind einfachere und nicht ganz so haltbare Komponenten wie beim Original verwendet worden. Dafür ist das Preis-Leistungsverhältnis von ca. 650,00 Euro/Stück vertretbar. In Großbritannien werden die Nachbau-Zelte mit ca. 450,00 GBP angeboten. Gebrauchte Originalzelte liegen je nach Zustand zwischen 450,00 und 800,00 GBP. Gelegentlich findet man bei ebay.de oder ebay.uk Angebote, die allerdings aufgrund der Seltenheit teilweise in astronomischen Geboten enden. Ein Angebot eines britischen Lieferanten als "unissued" wurde mit 950,00 GBP beziffert.

Ein Nachbau bei einem renommierten Zelthersteller in Deutschland würde bei einer Mindestabnahme von 20 Stück ca. 2.000,00 Euro/Stück. kosten.

Quellen: Stefan Tönnies, Clive Elliott (EMLRA, UK)

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