Klempnerpaule hat geschrieben:Ja Glückwunsch ,und ihr Pessimisten -ich habe doch gesagt rein setzen und nach hause fahren.
Und was war nun mit der Kupplung und dem Abenteuer??
Gruss Paule
Jawoll, Recht hat er, der Paule!!!
Hier iss der versprochende Bericht - eine kleine Gute-Nacht-Geschichte!
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So Jungs ,
ich hatte es versprochen. Und was man verspricht hält man auch!
Erlebnisbericht "Abholung eines LR 110 bei Witham"
Ich hatte intuitiv den richtigen Tag gewählt. Nämlich einen Montag. Nicht nur, das an diesem Tag der Hinflug nach STN mit German Wings besonders günstig war, sondern es mir auch die Öffnungszeiten der hiesigen Zulassungsstelle ermöglichte eine Ausstellung derselben bereits um 06:30 Uhr früh zu beantragen. Nach bereits 15 Minuten war ich mit der Kurzzeitzulassung in der Tasche und den Schildern unterm Arm unterwegs Richtung Flughafen STR. Keine 5 Minuten später hätte ich schon als 10ter in der Warteschlange gestanden.
Entsprechend zeitig war ich dann auch am Flughafen. Zeit genug, um vorab die Sache mit dem Starthilfekabel zu klären. Ziemlich unbedarft legte ich meine Utensilien auf's Förderband in die bereitgestellten Kisten. Spätestens als ich das Starthilfekabel auspackte, hätte ich vom Security-Personal eigentlich einen mißbilligenden Blick erwartet. Aber nix kam. Dann dachte ich, ok, beim Klebeband wird er aber sicherlich rummeckern, schließlich ist das als Hilfsmittel zum Fesseln von Personen ja einschlägig bekannt. Aber auch da kam nur ein: Hhm, gutes Klebeband - gute Marke. All das andere Gedöns in Form von Sicherungen, Kabeln, Verbandskasten, Warndreick und Warnweste (welches mir, das sei bereits hier erwähnt) noch sehr gute Dienste erweisen sollte, erweckte keinerlei Nachfragen der Securities. Noch nicht einmal die Leibesvisitation meinerseits mit dem Handscanner erfolgte. Ich hatte wohl intuitiv schon Klamotten angezogen, in denen man gar nichts verstecken kann. Was soll ich sagen - Ich war irgendwie enttäuscht!?
Aber bestens, so hatte ich ausreichend Zeit die ganzen Duty-Frees zu durchstöbern, bevor der Flieger dann ebenso pünktlich den Flughafen verlies, wie er in Stansted landete. Völlig problemloser Flug. Sauber.
Auch der Zuganschluss dort war absolut planmässig. Die Tickets hatte ich schon über mytrainlines.com vorab bestellt. Jetzt musste ich sie nur noch am Self-Service-Automaten in der Railstation 2 Stockwerke tiefer rauslassen. Ankunft 13:22 Uhr in Grantham. Paßt.
Dort noch kurz einen 50er aus dem Bankomat gezogen, um das Cab (ja, die letzten 10 Meilen waren mir dann doch zu weit per Pedes) und evtl. ein paar "Ersatzteile" in Form von Wagenheber, Spitzhacke & Co bei Witham bezahlen zu können. Der Taxifahrerfahrer war ein alter Hase und das Thema der sehr kurzeiligen Fahrt waren dann nach Bekanntgabe des Fahrtzieles selbstredend auch "Land Rover" und "Mercedes Benz" (weil er wissen wollte wo aus Germany ich denn nun herkomme).
Keine 20 Minuten später war ich dann bei Witham.
Es war ein sonniger Tag. Kein Wölkchen am Himmel, keine Regentropfen auf meinem Antlitz. Ich dachte wieder - Bestens. Wenn´s so weitergeht ist das mein Tag. Tschakka!
Im Office wurde ich dann freundlich empfangen. Mir wurden zügig die Papiere in Form der Rechnung und den Versandpapieren (die ich ja als Privatmensch sowieso nicht brauchte) überreicht. Und das war's. Kurz und schmerzlos. Mit dem Fingerzeig in Richtung eines jungen Mannes mit oranger Kappe auf dem Kopf, wurde mir erstens der Weg aus dem Büro hinaus gezeigt und mir zudem bedeutet, dass für weitere Glücksgefühle ausschließlich er verantwortlich wäre.
Kurz vor Verlassen des Büros schneite dann natürlich auch noch die berühmte Tochter von Witham herein. Als mich dann jedoch kurz vor der Fertigung des hier allseits geforderten Fotos dieser Dame der Hund etwas mürrisch anschaute, war mir ein heiler Hintern doch lieber. Will sagen Jungs, mir war meine Gesundheit in diesem Moment wichtiger als hier ein aktuelles Foto derselben präsentieren zu können. Und ich freute mich auf das Glück, dass mir der junge Mann mit der orangen Kappe hoffentlich bereiten würde.
Als der orangen Kappe hinterher ...
Und da stand er. Noch an der gleichen Stelle, an der sicherlich auch das Foto für den letzten Tender geschossen wurde.
Für den junge Mann mit der orangen Kappe (später fragte ich nach seinem Namen, er hieß Steve), war die Abholung eines Landys alles andere als ein Highlight seiner Tagesarbeit. Und irgendwie schaute er sich immer so fragend nach dem Truck, auf den ich den Landy aufladen wolle, um ...
Ich sagte ihm, es gäbe keinen Truck. Ich hätte vor den Landy auf seinen eigenen Rädern nach Deutschland zu fahren. Steve's Blick zeigte mir, dass er dies für eine ziemlich bescheuerte Idee hielt. Sekunden später sagte er mir das auch. Zu diesem Zeitpunkt kamen schon allererste Zweifel in mir auf, ob der Tag wohl weiterhin so glücklich verlaufen würde ...
Ich ließ mich natürlich von solchem Rumgelabere nicht madig machen, schließlich hatte ich ja solche Sprüche wie "... wenn er die ersten 15 Minuten auf dem Weg nach Deutschland überlebt, ist der Rest auch kein Problem. Ist ja schließlich ein Landy und kein VW Golf" im Hinterkopf. Ziemlich unmissverständlich machte ich ihm dann auch klar, das ich selbstverständlich davon ausginge, hier ein lauffähiges Model ersteigert zu haben. Was er mir jetzt auch zu beweisen hätte. Und was soll ich sagen, er holte ohne zu Murren sein Batteriewägelchen, um "Lot 60" Lebenselixier in Form Elektrischer Energie zu spenden. Nach dem ich seiner Aufforderung, vor dem Starten nochmals alle Flüssigkeitsstände zu prüfen, nachgekommen war, ging's los. Die bereitsgestellte Energie reichte allerdings nur für einige erste sehr verhaltene Hüsterchen. Demzufolge wurde größeres Gerät in Form eine Vorfeldschleppers mit einer Handvoll von Batterien auf dem Bückel von Steve heranchauffiert.
Was soll ich sagen, das Husten war weg. Aber Starten konnte man das irgendwie auch nicht nennen. Zwei, dreimal hatte man den Anschein "Jetzt kommt er", dann war aber auch schon wieder Ruhe. Shit!
Steve began wieder mir vorzuhalten, dass das doch eine total bescheuerte Idee sei ... usw. und so fort.
Da kam plötzlich ein LKW-Fahrer um's Eck, der das ganze Treiben wohl beobachtet hatte. Er hatte während unserer Aktion einen Foden 8x8 mit demolierter Frontscheibe aufgeladen, der wahrscheinlich auf dem Weg zum ebenso glücklichen Käufer war. Er fragte mich, was ich denn vor habe? Wieviel so ein Landy kostet? Wie das hier so abläuft? Und noch vieles mehr? Wahrscheinlich als kleines Dankschön, dass ich ihm so bereitwillig antwortete, nahm er sich meiner an. Jetzt waren wir zwei gegen einen. Steve war überstimmt. Er war auch irgendwie gar nicht böse, als ich ihm sagte, er solle doch mal'n bisschen Sprit in den Tank füllen. Er tat es einfach. Und Roman (so hieß der Trucker, ein Pole) hat fortan fleißig die Förderpumpe für den Diesel betätigt. Denn scheinbar war der Tank ziemlich leer. Merkt euch diesen Satz, er wird in meinen Erzählungen mit dem gleichen Hintergedanken nochmals vorkommen.
Bingo. Nach einigem Orgeln sprang er dann schließlich an. Und lief. Und lief. Und lief (und sollte aber leider auch noch einige Male ausgehen).
Also er lief. Ich Batteriefach geschlossen, den schönen neuen Exmor-Sitz eingebaut und das Wägelchen für die jetzt zweifellos anstehende Heimfahrt vorbereitet. Die Kurzzeitkennzeichen habe ich hinter die Scheiben geklebt, nachdem mir Steve zuvor in seiner unnachahmlichen Art zu Verstehen gab, das Schrauben zum Anschrauben der Kennzeichen hier doch wohl eher Luxus seien. Und wech war er, der Steve. Genauso schnell, wie er gekommen war.
Mein Gepäck noch einigermassen verstaut, habe ich mich dann mal ganz langsam auf dem Fahrersitz breit gemacht, um ... Ja um das Wägelchen jetzt auch mal in Fahrt zu bringen. Aber die Gänge ließen sich zwar einlegen, aber nach Loslassen der Kupplung passierte schlicht weg nix. Gar nix. Überhaupt nix. Naja dachte ich, da gibt's ja noch das kleine Hebelchen, das Differentialgetriebe. Mal schauen, was da passiert, wenn man da dran werkelt. Und schwupps war er aus. Aus sach ich. Abgewürgt, als ich das Differntial betätigte. Ich hab gar nichts kapiert. Aber muss ich ja auch nicht, es war schließlich Steves Aufgabe mich glücklich zu machen. Also habe ich den natürlich wieder antraben lassen. Und er kam, mit einem breiten Grinsen im Gesicht ... Sehr breit, für meinen Geschmack zu breit ...
Also nochmals Starten. Er machte das völlig anstandslos. Das von mir schon erwartete Gemaule blieb aus. Was war mit Steve passiert? Keine Ahnung. Auf jeden Fall lief die Fuhre erneut. Und Steve zeigte mir jetzt sichtlich amüsiert, wie man einen Landy ohne Kupplung fährt. Ich dachte, mein Gott. Das kann doch nicht sein, dass die Karre jetzt hier wochen- bzw. womöglich monatelang geduldigst auf seinen glücklichen Käufer gewartet hat und Steve schrottet die Kiste jetzt innerhalb von nur 10 Minuten.
Aber nein. Er hatte sichtlich Spass den Landy auf diese Weise zu fahren und seine Fahrweise zeigte mir sehr deutlich, dass er das nicht das erste Mal gemacht hatte. Er zeigte mir das sehr geduldig. Immer mit dem Hinweis, dass ich mich beim Zufahren auf eine Ampel, Zahlstelle etc. auf jeden Fall versichern muss, den Leerlauf drin zu haben. Sonst gäbe es ein Unglück. Das sagte er mir nicht nur einmal. Und er sagte mir auch, dass die zwei Kupplungssscheiben durch das lange Stehen zusammengebacken seien. Mit etwas Glück würde sich diese Verbindung irgendwann auf der Fahrt vielleicht auch wieder lösen. Ich dachte so in mich hinein, 1200 km auf diese Weise. Das kann nicht gut gehen. Aber da ich ja bis hierhin ausschließlich Glück hatte, konnte es ja auch nur so weitergehen.
Um die Geschichte an dieser Stelle etwas abzukürzen, sei erwähnt, dass ich bis zum Verlassen des Witham-Geländes (ein letztes Mal direkt am Pförtnerhäuschen, so daß die Durchfahrt fast 15 Minuten versperrt war) drei weitere Starthilfen von Steve in Anspruch nehmen mußte. Er wird mich sicherlich nie vergessen

Ich ihn aber auch nicht. Eigentlich ein netter Kerl. Vielleicht sind sie so die Engländer? Ist das so? Ich kenne leider keinen persönlich!
Also, wie hatten wir's von Steve gelernt? Erster Gang rein. Beherzt Gas geben und den Diferentialhebel ebenso beherzt in die kleine Gruppe nach vorne schieben. Sofern das Gas genug war, macht der Landy nun einen noch beherzteren Satz und fährt. Macht der Landy keinen Satz, ist der Motor aus und Starthilfe ist erneut angesagt. So machte ich mich auf dem Weg nach Deutschland. Ich kann euch sagen, es war ein extrem mulmiges Gefühl. Aber mein Glück vor Augen, gab ich beherzt Gas, schob den kleinen Differentialhebel nach vorne und fuhr. Erstmal den Weg vor bis zur Honepod Lane. Dann dachte ich, wenn's bis hierher ging, dann geht's auch vor bis zur Schnellstrasse. Ging auch! Dann angehalten und erstmal gerätselt, wie ich mich da überhaupt einfädeln muss, damit ich auch auf der richtigen Spur rauskomme und nicht gleich mit Tempo 60 mph von einem auf die Hörner genommen werde. Geschaut, Gas gegeben, Hebelchen betätigt, den unausweichlichen Satz gemacht und er fuhr. Auf der richtigen Seite, in die richtige Richtung und irgendwann, als ich mich in den Gängen langsam hochgearbeitet hatte auch in der richtigen Geschwindigkeit. Nach 10 Minuten hat das Fahren auf diese Weise schon irgendwie Spass gemacht. Und ich konnte mir dann auch das breite Grinsen von Steve erklären ...

Tja, alles hat sein Gründe.
Ich war also auf dem Weg. Jetzt musste ich schauen, dass das Thema Navigation so langsam in Fahrt kommt. Also die mitgebrachten Bananenstecker ausprobiert, mit denen ich den Saft für mein Navi an den wohl für eine Cockpitbeleuchtung gedachte Stromversorgung (an den zwei kleinen Buchsen rechts vom Lichtschalter) herstellen wollte. Buchsenstecker passen nicht, zu groß im Durchmesser. Also Kabel im Mund abisoliert und direkt reingesteckt. Navi funktioniert mit dem bereits zu Hause vorkonfektionierte Adapterkabel. Aber oh Schreck. An die simpelsten Dinge denk man dann eben doch nicht. Mit einem DACH-Navi unterwegs in in GB funktioniert es nich wirklich. Es zeigte mir nur grün. Das war nicht falsch, ich konnte es sehen das Grün um mich rum, denn es war noch hell. Aber die Strassen hätten mich in diesem Moment doch sehr viel mehr interessiert.
Plan B. Navigation mit Handy. Schnell die Stromversorgung umgebaut. Wohlgemerkt alles im Fahren, in einem Auto ohne funktionierende Kupplung. Erstmals auf englischen Strassen im Linksverkehr. Nach einer gefühlten Ewigkeit funktionierte auch das. Die Navigation per Handy. Das war dann auch der Zeitpunkt, wo ich bemerkt dass ich wohl einige Minuten zuvor auf die falsche Schnellstrasse abgebogen war. Kurz, die Richtung stimmte nicht mehr. Umdrehen war angesagt. Irgendwo in der Pampa fuhr ich runter von der Schnellstrasse und stand nach wenigen Metern vor einem Bauernhof. In der falschen Richtung. Denn Gas geben, Rückwärtsgang einlegen und kleinen Differentialhebel beherzt nach vorne schieben und der Landy macht einen Satz (in diesem Fall nach hinten) hatte ich zuvor noch nicht geübt. Schon gleich gar nicht unter solch erschwerten Bedingungen, denn 5 Meter hinter dem Landy war die Kreuzung, auf die ich rückwärts einfahren, umdrehen und in die Richtung aus der ich gekommen war wieder zurückfahren musste. Und das ohne den Landy abzuwürgen!!! Jungs, in diesem Moment dachte ich, so viel Glück kann keiner haben.
Ich bin erst mal raus. Pinkeln. Nachdenken. Beten. Keine Ahnung, was ich noch gemacht habe.
Es hilft nix. Ich muss weiter. Also eingestiegen. Startprozedur nochmal geistig durchgehen. Kam mir vor wie ein Pilot eines Airbus, der mit seinem Copiloten nochmal die Checkliste seines Fliegers durchgeht. Nur, ich war allein ... Allein irgendwo in der Pampa mitten in England. Das kann nicht gut gehen. Stossgebet gegen den Himmel. Und los geht's. Kupplung treten. Wie, was? Irgendwas ist anders!? Sie ging wieder, die Kupplung! Die zuvor untrennbare Verbindung der Kupplungsbeläge, hatte sich vermutlich durch die Betriebwärme des Motors/Getriebes und den während der Fahrt unausweichlichen Lastwechseln, gelöst. Und das Ding ging wieder. Als ob das ganz normal wäre. Ich kann euch sagen, mir fiel ein Stein vom Herzen. Fortan hatte ich also nur noch ein Problem. Ich durfte den Wagen keinesfalls abwürgen, da die Batterie (es war immer noch die Originale an Bord) ja nachweislich hinüber war. Dieses Problem zu verdrängen fiel mir aufgrund des vorhandenen Starthilfekabels mehr als leicht. Und weiter ging sie, meine Fahrt mit nun anstandslos funktionierenden Getriebe aber defekter Batterie.
Ich fuhr und fuhr. Es machte immer mehr Spass. Navi per Handy funktioniert. Vorbei an den Vororten von London, über irgendso eine Brücke, die mautpflichtig war (hier wäre ich nie im Leben mit defekter Kupplung durchgekommen) Richtung Dover. Kurz vor Dover hat es ein bisschen zu Ruckeln anfangen, was ich mir nicht so recht erklären konnte, weil die Sprituhr eigenlich noch mindestens 1/4 voll anzeigte. Inzwischen im Ignorieren gestärkt, fuhr ich weiter und habe dann kurz vor dem Hafen Dover meine letzten GBP vertankt. Den Grünspan des Autos mit dem Scheibenschwamm an der Tanke noch kurz entfernt. Und das halbe Auto noch dazu. Der Tankwart muss gedacht haben, der hat was an der Waffel. Aber es machte ja auch Spaß auf de Motorhaube eines Landy rumzuturnen. Das muss man den Engländern doch schon mal zeigen, oder?
Dann noch schnell mit der Afferry-App einen passenden Tarif für die Fährüberfahrt gesucht und diesen versucht zu buchen. Was aber leider nicht gelang, weil bei der Verifizierung meiner Kreditkarte ein Übertragunsgsfehler erfolgte, der dazu führte, dass die Karte auch für alle nachfolgenden Versuche übers Handy gesperrt wurde. Eine zweite (andere) Kreditkarte hatte ich leider nicht zur Verfügung, so dass ich gezwungen war direkt am Check-Inn zu buchen. Anstatt 39,20€ hat mich die Überfahrt dann aufgrund dieses Übertragungsfehlers, ganze 80 GBP gekostet (was ich freilich erst später wusste). So schnell kann man Geld verbrennen. Unglaublich.
Also dann auf zum Hafen. Passkontrolle. Pass rübergereicht. Er schaut mich an. Gibt mir den Pass zurück. Ich sage auf Wiedersehen ... und würge die Karre ab. Super. Ganz großes Kino! Mitten am Kontrollpunkt. Ok. So'n Schwabe ist ja flexibel. Also raus aus der Karre und den Landy 100 Meter weiter geschoben. Was soll ich sagen, 2300 kg bringen den Kreislauf ordentlich in Schwung.
Kurze Gedenkpause. Was mach ich jetzt jetzt. Irgend so eine Lady in Gelb gefragt, wer mir vielleicht helfen könnte. Sie gab mir bereitswillig Auskunft. Aber als sie mir zu Verstehen gab, dass das ordentlich kosten würde, hab ich mich artig bei ihr bedankt und ihr noch einen schönen Abend mit ihrem Lebensgefährten gewünscht. Schwaben sind nicht nur flexibel, sie können auch ganz schön frech sein. Also was tut man, wenn man nix ausgeben will: Den nächsten Vorbeifahrenden anhalten, der gerade aus der Grenzkontrolle kommt. Es war eine junger Engländer, der sich meiner eher unfreiwillig annahm. Er gab mir mir völlig selbstlos Starthilfe, so als ob er das jeden Tag ein halbes Dutzend mal machen müsste. Herzlich bedankt und er verschwand in der Dunkelheit Richtung Fähre. So wie ich auch, denn nun lief er ja wieder der Landy.
Weiter, nicht ohne vorher noch eine Ehrenrunde gedreht zu habenm, weil ich irgendwie einem falschen Schild folgte und in einem abgesperrten Sonderbereich landete. Die englische Amtsträgerin war aber ebenfalls sehr hilfsbereit und verhalf mir aufgrund der ihr verliehenen Autorität zu einer ebenfalls kostenlosen Ehrenrunde.
Am Check-Inn wurde ich dann die bereits oben erwähnten 80 GBP los. Auf Spur 141 wartete ich dann schließlich auf das Bording. An Bord habe ich dann gleich das beim Verlassen des Schiffes unweigerlich auftretende Startproblem erörtet. Die sagten, das Fremdstarten mittels Booster sei überhaupt kein Problem für sie. Es stellte sich aber nach der erfolgten Überfahrt sehr wohl als Problem heraus. Denn das Auto machte so gut wie keinen Mugser. War mir auch klar, denn das Display, dass mir der Fährmitarbeiter voller Stolz zeigte, iluminizierte keine 14,4 V, wie ich das bei voller Ladung erwartet hätte, sondern lediglich 12,2 V. Das konnte nicht gut gehen. Das sahen die Jungs dann auch recht schnell ein. Ein Pfiff vom Chef und der Landy wurde eben angeschoben. So einfach kann das sein. Nach 15 Metern lief er dann wieder, als ob er einfach mal wissen wollte, was die Franzosen so drauf haben
Und hier habe ich dann den ersten Fehler gemacht. Das Handy war nicht rechtzeitig von mir mit dem nächsten Ziel gefüttert worden. Was zur Folge hatte, dass ich nicht wie ursprünglich vorgesehen den mautfreien Weg von Calais durch die Niederlande nach Deutschland nahm, sondern den kosten- weil mautpflichtigen durch Frankreich. Um es kurz zu fassen, dieses Malheur kostete mich völlig unnötige 62€. Ich hätte das Geld auch besser zum Fenster rausschmeissen können. Aber, wie heißt's so schön. Shit happens! Schwamm drüber.
Also quer durch Frankreich. Die Strassen waren gut, da gibt's nichts. Meine 62€ waren also gut angelegt. Die machen was Gutes mit der Maut, die sie einnehmen. Etwas anders als in Deutschland. Aber hier heißt die Maut ja nicht Maut, sondern KFZ-Steuer.
Bei Rely ist Tanken angesagt. Diesmal voll. Oha, 61,10 Liter. Ganz schön groß der Tank eines Landys dachte ich mir. Aber eigentlich dachte ich nicht wirklich drüber nach, wie mir später klar wurde.
Weiter getuckert durch die Nacht. Ich und mein Landy. Er hält durch, der Gute. Also kein NR (No Runner), wie ich Tage zuvor noch befürchtet hatte. Super Wägelchen das.
200 km weiter habe ich mich auf einen Parkplatz gestellt und bei laufendem Motor etwas vor mich hingedöst. Weiß nicht, wie lange ich auf diese Weise geschlafen habe. Aber zwei, drei Stündchen müssen es schon gewesen sein. Als ich aufwachte, war der Landy ziemlich dunkel. Cockpitbeleuchtung kaum noch wahrnehmbar. Fahrlicht sah eher so aus als ob Kerzen drinnen ihren Dienst verrichten würden. Was war geschehen? Keine Ahnung. Zu dem Zeitpunkt hatte ich es mir schon abgewöhnt, mir über Dinge, die ich eh nicht ändern kann, Gedanken zu machen. Weiter ging's mit etwas minimierter Beleuchtung auf dem Weg nach Deutschland.
Alles lief super, bis das Ruckeln wieder kam. An die Möglichkeit, dass es am Sprit liegen könnte, kam ich gar nicht. Ich war fest der Meinung, das hinge mit den Spannungsschwankungen zu tun. Also ein Problem in der Elektrik. Da ich das gleiche aber schon kurz vor Dover erlebte, machte ich mir keinen großen Kopf und fuhr unverrichteter Dinger weiter.
Weiter, bis dann die große Steigung kurz hinter Verdun kam. Bei km 256.1 war dann Schluss. Der Landy meinte dann mitten in der ca. einen Kilometer langen Steigung stehen bleiben zu müssen. Er kündigte mir das freundlicherweise mit einem zunächst verhalteneren Ruckeln an. Der Finale Ruckler sagte mir dann, so jetzt machen wir mitten auf der dort 4-spurigen eine Zwangspause. Und da stand er dann. Als ob er mir sagen wollte, ich brauch jetzt auch mal ne Pause. Iss doch klar, oder?
Bemerkenswert ruhig begann ich die Situation zu erörtern. Schnell war ein Aktionsplan parat, so wie man das ja in unzähligen Lehrgängen gelernt hatte.
1. Unfallstelle absichern. Ich wollte nicht unbedingt ausprobieren, ob die Kurzzeitversicherung auch zahlt, wenn ein 40-Tonner über den Landy drüber gerauscht war. Also Warnweste an, hinter die Leitplanke Deckung suchen und entgegen des Verkehrs (immer schon das Warndreieck vorm Rantzen) sich bergab vorabbeiten, um das Warndreick aufzustelle. Den zu diesem Zeitpunkt war es noch kuhnacht. Landy aufgrund defekter Batterie unbeleuchtet mitten auf der rechten Spur der Autobahn. Weiter muss ich glaube ich nichts ausführen ...
2. Notruf absetzen. Klappte ganz gut, obwohl mein Französich nicht wirklich gut ist. Aber Englisch können die auch'n bisschen. Erst hatte ich den an der 112 in der Leitung, der mich mich dann flux an ein nettes Mädel von Sanef (Autobahngesellschaft) weiter verband. Ich gab ihr die Position durch. Nach kurzer Unterbrechung, sagte sie mir, sie würde mich über die Kamera sehen. Ich sah keine Kamera. Irgendwie hatte ich das Gefühl, sie winkte mir sogar über ihren Monitor zu, so nach der Devise "Du schau mal, hier bin ich und helfe dir". Verrückte Welt.
3. LKW-Fahrer warnen. Nachdem das Förmliche geklärt war, ging es nun in die Praxis über. Also wieder den Berg runter und die LKW's auf die nächste Fahrspur rüber gewunken. Nicht das einer vor Lauter Nasepopeln, Fernsehgucken oder sonstwas doch noch auf meinen schönen Landy draufrauscht. Funktionierte ganz gut.
Auf der Gegenspur kam dann schon einer von Sanef den Berg runtergerauscht, der wohl die Aufgabe hatte meine "Unfallstelle" abzusichern. Er begrüßte mich aus der Ferne durch kurzes Laufenlassen seiner gelben Warnleuchten. Minuten später hatte er gedreht. Kam aber erst 1 Minute nach dem Abschlepper an. Ein ziemlich unfreundlicher Franzose (der Abschlepper), den ich wohl beim Frühstück gestört hatte. Zugegeben, da wäre ich auch sauer. Ganz klar!
Der Landy war rückzuck aufgeladen. Die zwei (der von der Sanef und der Abschlepper) haben dann mitten auf der Autobahn noch ein Schwätzchen gehalte, so wie sich das eben in Frankreich so gehört. Und dann ging's diesmal nicht im Landy, sondern in der Kabine des Abschleppers zurück nach Verdun. Die Frage, ob ich nicht lieber doch gerne in eine andere Richtung möchte, stellte er gar nicht
Angekommen in der Werkstatt, kam mir beim Anblick der Zapfsäulen die ich da sah, spontan der Gedanke vor dem Reparaturversuch vielleicht zunächst mal den Tank aufzufüllen. Da ich dem Abschlepper aber zuvor meinen Verdacht, der Landy sei aufgrund des elektrischen Problemes liegen geblieben, geäußert hatte, stellte dieser das Auto zunächst mal neben der Werkstatt ab. Um dann erstmal frühstücken zu gehen. Verständlich, oder? Tanken war also ersatzlos gestrichen.
Ich habe dann das gleiche getan. Kleiner Spaziergang durch den Ort zum Bäcker. Zurück in der Werkstatt gab es dann noch einen Kaffee. Und mein Hnady hab ich dann vorsichtshalber auch gleich mal wieder aufgeladen. Man weiß ja schließlich nicht, was noch so alles kommt.
In der Werkstatt nahm sich der Abschlepper (wohl gleichzeitig der Werkstattchef) dann die Elektrik des Landys vor. Erst suchte er den Fehler in der Lichtmaschine. Da ich ihm aber sagte, dass die Batterie definitiv platt sei, gab er sich geschlagen und baute schließlich eine neue (ob die wirklich so neu war, ich hab da so meine Zweifel) Batterie ein.
Nach Bezahlen der Rechnung ging's dann wieder auf die Piste. Wohlgemerkt unbetankt! Ich könnte mich ...
Wer ahnt schon wie es weitergeht?
Klar. Es kommt so wie es kommen muss. Ich also wieder in Verdun auf die Autobahn und rauf den Buckel. Den gleichen! Bei km 256.1 habe ich dann eine kleine Gedenksekunde eingelegt, um dann exakt 500m weiter, bei km 256.6 wieder auf die gleiche Art und Weise wie schon 4 Stunden zuvor stehen zu bleiben. Ganz prima. Jetzt kam mir so langsam die Erleuchtung. Das elektrische Problem war nicht der Grund für das erste Liegenbleiben. Und meine Ahnung als Erstes nach dem Abschleppen den Tank zu befüllen wohl doch nicht so ganz unberechtigt.
Inzwischen schon routiniert, griff ich wieder zum Handy, rief die 112 und sagte mein Sprüchlein. Musste ja aber gar nicht viel sagen, die kannten mich ja schon. Auch die nette Französin war über haupt nicht überrascht und wollte mir wieder den Abschlepper vorbei schicken. Ich dachte mir aber während des Telefonates, das kann jetzt aber nicht sein und versuchte jetzt einfach mal den Motor wieder zu starten. Was auch gelang! Jetzt hatte ich ja eine neue Batterie. Landy lief wieder und ich bestellte aufgrund meiner schwäbischen Sparsamkeit den Abschlepper kurzerhand wieder ab. Die müssen gedacht haben, die spinnen die Deutschen. Aber das Experiment gelang, ganz sachte gab ich Gas und der Landy erklam zwar langsam und mit ganz leisem Hüsteln die große Steigung, aber es ging. Bis zur 2,5 km entfernten Rastanlage von Verdun, die ich ja schon vorab bei der Fahrt mit dem Abschlepper kennen gelernt hatte. Hier fuhr der von der Autobahn ab und verlies die Autobahn über ein spezielles für diesen Zweck vorgesehenes Tor. Also wußte ich schon, Tanken ist innerhalb sehr kurzer Distanz möglich.
Es passten aber nur 46,46 ltr. in den Tank (ihr erinnert euch, in Rely hatte ich vorher schonmal 61,10 ltr. getankt). Was bei mir den Schluss nahe legte, dass es nur bedingt Spritmangel, sondern eher eine Mischung aus Spritmangel an einer Steigung (bedingt durch die sich ändernde Lage des Sprits im Tank) und vielleicht irgendeine Verstopfung in der Spritversorgung/verstopfter Dieselfilter o.ä. gewesen sein muss. Die Elektrik hatte mit dem Liegenbleiben definitiv nichts zu tun. Aber immerhin hatte ich jetzt bei der Weiterfahrt gar kein Problem mehr. Eine neue Batterie war ja mittlerweile drin.
An irgendeiner Steigung bin ich dann nochmals auf die gleiche Art und Weise stehen geblieben, was mir aber kein Herzklopfen mehr verursachte. Kurz gewartet, wieder gestartet und langsam rauf den Berg. Und die Sache war geritzt.
Der weitere Fahrtverlauf war völlig unauffällig.
An irgendeiner Zahlstelle hopfte mir zwar schier ein Gendarme bei der Ausfahrt aus der Zahlstelle ins Auto, weil er mich kontrollieren wollte. Nachdem ich ihm aber auf die Frage "Können Sie Französisch?" wahrheitsgemäß "Ein bisschen" geantwortet hatte, ließ er nach einem kurzen Blick über meine Schulter auf die Ladefläche des Landys von seinem Vorhaben ab und ließ mich weiterfahren. Das Kurzzeitkennzeichen hat ihn überhaupt nicht interessiert, wie auch keinen Anderen auf diesem langen Weg nach Deutschland.
Am 04.11.2014 um 13:38 habe ich auf Höhe Baden-Baden dann die Grenze Richtung Deutschland überschritten. Um 16:00 Uhr war ich schließlich zu Hause. Der Landy steht gut aufgehoben auf Privatgrundstück und wartet nun erneut sehr geduldig auf seine hoffentlich baldige Zulassung.
So, jetzt tut mir der Rücken weh vom langen Schreiben, aber für einen kürzeren Bericht hatte ich leider keine Zeit

Ich hoffe ihr seht mir das nach.
Jetzt muss ich mich um's Fraule kümmern, die hat schon dringenden Bedarf angemeldet.
Bilder zum Bericht gibt's hier:
https://www.dropbox.com/sh/krmc6n00fy8z ... OsYha?dl=0
Es war ein Abenteuer, zweifelos. Aber ein Schönes
14 KF 66, LR 110 Tithonus RHD FFR ex-MoD, Mj. 86