hier nun der - unspektakuläre - Bericht über die erfolgreiche Herztransplantation unseres Dicken.
Nachdem unser "rolling chasis" (den gelben Engeln sei Dank!) aus Prym in die Werkstatt unserer Wahl geliefert wurde, und auch der Motor flugs von Philipp geopfert wurde, konnte die OP starten. Leider war ich verhindert (Grund war ein kleiner WuKi), so erklärte sich mein Göga-Lieblingsprivatschrauber bereit, die Operation zu "überwachen", Hand anzulegen und Beweisfotos zu machen.
Hier nun kommt er zu Worte:
Nach einem halben Liter Café zum obligatorischen Werkstatt-Frühstück, wurde das tote Aggregat in einer schnellen und schmerz- Pardon problemlosen Aktion ausgebaut. Zum Vorschein kam ein fast jungfräuliches Ausrücklager mit Ausrückhebeln:

Das Getriebe war sauber und trocken.
Nach dem Ausbau des Motors stellten wir außerdem fest, dass unser Auto bereits eine neue Kupplung hatte:

Also bauten wir diese ab, da die Kupplungsbeläge des "neuen" Motors bereits stark abgenutzt waren (warum diese bei der letzten Generalüberholung nicht gewechselt wurden, blieb uns ein Rätsel).

Die Schwungscheibe des alten Motors war ebenfalls niegelnagelneu und wird weiterhin im Fahrzeug genutzt.
Anschließend sind wir zum Zahnriemen übergegangen. Im Vorfeld hatten wir bereits ein genuine-Zahnriemen bestellt, damit dieser in einem Zuge gewechselt werden konnte. Als wir jedoch den Deckel des Steuergehäuses des "neuen" Motors öffneten, stellten wir zu unserer Freude fest, dass der Steuerriemen noch nicht lange an seinem Platz sein konnte:

Das Gehäuse war von innen sauber und trocken. So konnten wir uns die Arbeit des Steuerriemenwechsels sparen (auch wenn wir hierin ja schon Erfahrung sammeln konnten ;-D)
Nach dem Abbau der Kupplung unseres ATM stellten wir fest, dass der Simmerring der Motorabdichtung undicht war.

Also schnell ins Ersatzfahrzeug gehechtet und zum Kruel gefahren. Das Glück war uns hold, er hatte noch einen passenden Wellendichtring auf Lager. Zurück am Tatort wechselten wir nicht nur die Motorabdichtung, sondern auch gleich noch die (neue) Führungsbuchse des Anlassers aus dem verreckten Motor.
Nun ging es daran, aus dem "rolling chasis" wieder ein vollwertiges Auto zu zaubern. Wir bauten den ATM ohne Probleme wieder ein. Einzig die obersten Schrauben am Getriebe zickten ein wenig rum, was wohl durch unsere - durch die exzessiven Grillaktionen hier im Hunsrück - Knackwurstfinger bedingt war.
Spritfilter, Ölfilter, Luftfilter etc. wurden selbstverständlich gleich mit gewechselt.
Anschließend füllten wir die Flüssigkeiten auf, sowie den Spritfilter komplett und starteten die Kiste. Der neue Motor sprang problemlos an und läuft seither tadellos. (Ich wusste gar nicht, dass ein Fendy so leise sein kann - ich sag doch: Flüsterlandy ;-P)
Nach der Pflicht kam die Kür: wir konnten uns nach erfolgreicher Arbeit an die Zerlegung des defekten Motors machen, um mehr über die Ursache des plötzlichen Herztodes zu erfahren. Da sich der Motor nicht mehr drehen lies, bauten wir den Zylinderkopf ab. Da fiel uns auf, dass ein Kolben eine wahre Kraterlandschaft aufwies:

Nach weiteren Untersuchungen stellten wir fest, dass sich ein Stopfen der Wirbelkammer gelöst hatte:


was den Kollaps des Motors zur Folge hatte. Außerdem konnten wir sehen: hätte dieser Stopfen gehalten, der nächste stand schon in den Startlöchern!
Nun konnten wir unser Gewissen beruhigen, der Zahnriemenwechsel hatte nichts mit unserer Panne zu tun.
Hier noch ein Bild der Kennzeichnung, wann der neue Motor seine skyblue-Lakierung erhalten hatte:

Nun sind wir seit dieser Aktion rd. 1.000 km mit der neuen Maschine gefahren, immer brav, kaum schneller als 80 (irgendwie steckt mir der Vorwurf, ich hätte den Motor sauer gefahren immer noch im Hinterkopf - auch wenn sich dieser als nicht wahr erwiesen hat).
Mittlerweile ist mein Misstrauen auch gesunken und ich freue mich schon auf die Fahrt nach Stadtoldendorf.
Vorher werden wir noch einen Motorölwechsel durchführen.
Unser Auto zieht besser, nun kann ich auch im dritten Gang die hier ortsüblichen Steigungen bezwingen. Der Motor läuft leise und der Durst des "Neuen" ist deutlich geringer als der Verbrauch des alten Aggregats. Wir liegen (lt. Tankbeleg vor rd. 350 km) bei einem Verbrauch von etwas über 10 ltr. Lediglich der Tankuhr traue ich nicht ganz über den Weg, nach dem letzten Tanken sprang die Anzeige nach rd. 100 km auf "halbvoll" und weigerte sich, mehr anzuzeigen. Dort verharrt sie nun seit rd. 250 km, mal zeigt sie etwas mehr, dann etwas weniger. Getankt hatte ich bei etwa 600 km Tageskilometerzähler. Vermutlich werde ich mir auf den Ritt nach Norden noch einen Ersatzkanister ins Auto legen.
Anfangs kam es mir sehr spanisch vor, dass der Vorbesitzer unseres Autos sich so schnell von dem exMod trennte, hatte ich die Vermutung, dass er sich so ein kleines Zubrot verdient. Rückblickend betrachtet kann ich mich aber des Eindrucks nicht erwehren, dass er nach dem Erwerb feststellte, dass der Motor nicht gesund klingt. Leider hatten wir keine Erfahrung und Vergleichswerte, wie sich ein "gesunder" Landy anzuhören hat. Jeden Morgen steht ein Dummer am Bahnhof, an dem Tag waren das wohl wir.
Dass die Geschichte aber so gut ausging, das verdanken wir vor allem den gelben Engeln - hier an dieser Stelle sei ein ganz dickes Dankeschön nach München geschickt - sowie der beherzten und schnellen Hilfsaktion von Philipp, der sich von seinem Schiffsdiesel trennen konnte und uns diesen zu einen fairen Preis und schnell zusandte. Vielen Dank. Nicht zuletzt möchte ich auch ein Dankeschön an unsere Werkstatt schicken, nicht jeder lässt sich so unbürokratisch über die Schulter blicken und durch "selbst-Hand-anlegen" die Kosten minimieren.
Und auch Euch allen ein herzliches Dankeschön, die uns hier mit Rat zur Seite standen.
gglG B'tina